Gestaltungsmöglichkeiten von Betonoberflächen
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Der Wunsch nach Gestaltung der Bauwerke und
gestalteten Bauteil-Oberflächen ist kein
Modetrend. Gestaltung von Bauwerken ist eine
Frage der Lebensqualität. Beton bietet in
seiner fast unbegrenzten Formbarkeit und
Funktionalität nahezu alle Möglichkeiten
kreativer Architektur. Die Gestaltung der
Betonoberflächen kann dabei die Architektur
eines Bauwerks unterstützen, aufnehmen und
fortführen, ins Detail herunterbrechen, sie
kann sie jedoch niemals ersetzen. Eine unbearbeitete
Betonoberfläche zeigt mehr oder weniger Zementstein,
und es ist zunächst die Farbe des Zementes,
der sie farblich prägt. Betonoberflächen
können aber auch geformt, profiliert und
strukturiert werden. Mittels Schalung nehmen
sie besondere Formen an. Im frischen, jungen
oder erhärteten Zustand bearbeitet, erhalten
sie Profil und Struktur, und je nach den
zugesetzten Pigmenten und/oder Zuschlägen
bekennen sie Farbe.
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Beton und Farbe
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Übliche Zemente sind bekanntlich grau, Portlandzemente
mittelgrau, Hochofenzemente hellgrau und
Portlandzemente mit hohem Sulfat-Widerstand
– aufgrund der Zusammensetzung – dunkelgrau.
Daneben gibt es den rotbraunen „Terrament",
einen Portlandölschieferzement. Den größten
gestalterischen Spielraum eröffnet Weisszement.

Die Farbpalette der Zuschläge
reicht von
weiß
über rotgrün und blau bis hin
zu schwarz
Weisszement kann sowohl die Basis sein für
Weissbeton als auch für farbige Betone in
Verbindung mit Pigmenten und/oder farbigen
Zuschlägen. Der helle Zementstein ist einerseits
die ideale Matrix, in der farbige Zuschläge
gut zur Geltung kommen, anderseits ist er
bei Einfärbungen so farbneutral, daß die
Farbpigmente zu klaren, kräftigen Zementsteinfarben
ohne Grauschleier führen. Selbst schwarz
einzufärbende Betone werden mit Weisszement
intensiv dunkler und brillianter als mit
einem Grauzement.
Eisenoxid-Pigmente zur Einfärbung
von Beton
Da der Volumenanteil des Zuschlags
im Beton
bei rund 700 I/m3 liegt, können
je nach Bearbeitungstechnik
von 0 bis über 70 % der Oberfläche
vom Zuschlag
geprägt sein. Dabei sind natürlich
besonders
farbige Zuschläge von Interesse,
die mit
ihren Farben und ihrer dichten
und widerstandsfähigen
Oberfläche das Betonaussehen
in Struktur
und Farbe prägen und mitgestalten.
Die Farbpalette der Zuschläge
reicht von
weiß (Kalkstein, Marmor) über
gelb, rot,
blau und grün bis hin zu schwarz
(Basalt).
Je nach Bearbeitungstechnik kommt
die Eigenfarbe
der Zuschläge mehr oder weniger
stark zur
Geltung.
Der Zementstein bzw. der Feinstmörtel
wird
hauptsächlich von der Farbe des
Zementes,
aber auch von den Pigmenten,
gegebenenfalls
den Zusatzstoffen sowie dem Mehlkorn
aus
dem Zuschlag farblich geprägt.
Darüber hinaus
beeinflußt der Wasserzementwert
die Farbe:
Höhere Wasserzementwerte führen
zu hellerem,
niedrigere Werte zu dunklerem
Zementstein,
und damit zu optisch dunkleren
Farbwirkungen,
daher kann es bei örtlichen Wasseranreicherungen
auch schon einmal zu Fleckenbildungen
auf
den Sichtbetonflächen kommen.
Weisszement
ist durch seine hellere Farbe
weitgehend
unempfindlich gegen diesen hell-/dunkel-Einfluß.
Die Zementfarbe selbst hat keinen
Einfluß
auf die technischen Werte der
Produkte. Farbige
Zemente, wie z.B. Dyckerhoff
Weiss, sind
Normzemente, die festen, dauerhaften
Beton
mit Korrosionsschutz und Frosttausalz-Widerstand
nach den Regeln der Betontechnologie
ermöglichen.
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Die Schalung prägt die Oberfläche
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Ohne weitere Bearbeitung ist die Betonoberfläche
das Spiegelbild der Schalungshaut. Glatte,
nicht saugende Schalungen, wie Stahl oder
kunstharzvergütete Sperrholztafeln, ergeben
in der Regel glatte Sichtflächen ohne Strukturierung.
Brettschalungen, beispielsweise
als sägerauhe,
sandgestrahlte, geflammte oder
gehobelte
Brettschalung, wirken durch eine
gewisse
Saugfähigkeit wasserregulierend
und unterstützen
eine gleichmäßige Sichtfläche.
Zusätzlich
können die Betonoberflächen durch
die Holzstruktur
und durch die Fugenanordnungen
strukturiert
und gestaltet werden. Vorsicht
ist allerdings
geboten bei neuen Hölzern mit
ihren in der
Regel verzögernd wirkenden Inhaltsstoffen.

Gestaltung der Bauwerke war und
ist eine
Frage der Lebensqualität.
Der Römerturm in Köln gestaltet
mit "römischem
Beton".
Sie müssen durch ein erstes Bestreichen mit
Zementleim „vorbenutzt" werden. Wichtig
ist auch, die Holzschalung vor starker Austrocknung
und vor ungleichmäßiger Sonneneinstrahlung
zu schützen.
Dichte und einheitliche Betonflächen
entstehen
durch die filzartigen Schalungsbahnen
„Zemdrain".
Alles Überschußwasser an der
Betonoberfläche
wird abgesaugt – der Wasserzementwert
wird
gesenkt - und gleichzeitig werden
auch Lufteinschlüsse
abgeführt.
Strukturieren und profilieren
(mit Profiltiefen
bis zu 10 cm) lassen sich Betonoberflächen
mit sogenannten Schalungsmatrizen,
z.B. aus
Polysulfid oder Silikonkautschuk.
Sie werden
als Serienstrukturen geliefert
oder auf Anfrage
zu Designs nach Vorgabe bearbeitet.
Beispielhaft
für diese Art der Oberflächengestaltung
ist
die Instandsetzung des Kurhauses
in Scheveningen.
Verwitterte Natursteinbauteile,
mit Gips
ausgebessert, dienten hier als
Modell für
die Negativformen in Silikonkautschuk,
mit
denen die Bauteile in farbigem
Beton dauerhaft
nachgebildet wurden.
Den Verbund zwischen Beton und
Schalung verhindern
sogenannte Trennmittel. Auf nichtsaugende
Schalungen werden sie dünn und
gleichmäßig
aufgetragen, wobei Anreicherungen
unbedingt
zu vermeiden sind. Bei saugenden
Brettschalungen
sollten Mineralöle mit Trennzusätzen
verwendet
werden. Beim Einsatz von Matrizen
empfiehlt
oder liefert der Hersteller entsprechend
geeignete Trennmittel. Ordnungsgemäße
Trennmittel
sind farblos und nicht verschmutzt.
Die nötige
Sicherheit, besonders bei sehr
hellen Betonen,
kann ein Vorversuch verschaffen.

Beispiele unterschiedlicher Profil-Varianten
Beton läßt sich in frischem,
jungem oder
erhärtetem Zustand bearbeiten.
Eine gängige
Bearbeitungsart ist das Feinwaschen
mit Abtragstiefen
von 1 bis 2 mm.
Der Zuschlag wird dabei in stetiger Sieblinie
verwendet. Die Oberfläche erhält eine Sandstein-ähnliche
Struktur. Bei grobem Auswaschen wird eine
Ausfallkörnung verwendet, das Grobkorn wird
knapp zur Hälfte freigelegt. Bei gewaschenen
Betonoberflächen dominieren immer die Zuschlagoberflächen
und deren Eigenfarbe.
Weit weniger Zementhaut wird
beim Absäuern
entfernt, lediglich die Oberfläche
wird dadurch
künstlich angerauht. Stärker
„angegriffen",
– etwa im Vergleich zum Feinwaschen
– wird
die Betonoberfläche beim Sandstrahlen.
Bei
dieser Methode werden auch die
Zuschlagoberflächen
mit aufgerauht und erhalten ein
mattiertes
Aussehen. Die genannten Bearbeitungsarten
entfernen also mehr oder weniger
Zementstein,
legen die Zuschlagoberflächen
frei, lassen
aber bis auf das Aufrauhen den
Zuschlag intakt.
Andere Bearbeitungsverfahren
schaffen hingegen
neue Oberflächen. Bei den steinmetzmäßigen
Bearbeitungsarten wie Spitzen,
Stocken und
Scharrieren werden mit verschiedenen
handwerklichen
oder industriellen Werkzeugen
die ursprünglichen
Betonoberflächen entfernt, Matrix
und Zuschlag
freigelegt. Die verbleibenden
Spuren der
Bearbeitung strukturieren die
Oberfläche
und verleihen ihr eine individuelle
Note.
Äußerst repräsentativ wirken, innen wie außen,
geschliffene und polierte Betonoberflächen.
Durch das Zusammenspiel von heller Matrix
und farbigen Zuschlägen ergeben sie ein interessantes
und lebhaftes Oberflächenbild. Durch ihre
Glattheit sind die Ablagerungsmöglichkeiten
von Schmutz und Staub minimiert. Stand der
Technik ist heute das Schleifen und Polieren
von Großelementen, Stützen mit Kreisquerschnitt
oder auch auch von Flächenelementen mit gekrümmten
Oberflächen. Die Bearbeitung umfaßt ebenso
die Stirnflächen und bewirkt saubere Ecken
und Kanten.
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Reinigen und Behandeln der Oberflächen |
Betonbauwerke sind dauerhaft
und langlebig.
Allerdings werden auch Betonoberflächen
–
und seien sie noch so glatt –
durchaus von
Wind, Regen, Staub und Atmosphärilien
belastet.
Ein Verschmutzen und allmähliches
Altern
der Bauwerkoberflächen ist unvermeidbar,
sie betrifft allerdings alle
Baustoffe ähnlich,
deshalb muß die Bauteil- und
Oberflächengestaltung
vorausschauend die Einflüsse
berücksichtigen,
um einen gleichmäßigen Alterungsvorgang
zu
bewirken.
Beispielsweise sollten Fensterbänke
nach
innen, also hinter die Fassade,
entwässert
werden, damit das Regenwasser
keine Fahnen
und Ablaufspuren hinterläßt.
Nach unten leicht
rückspringende Elemente sind
günstig, sie
bieten dem Schmutz keine Auflageflächen.
Ebenso helfen vertikal kanalisierende
Profilierungen
der Oberflächen, Ablaufspuren
nicht auffällig
werden zu lassen.
Verlangsamt werden kann die Verschmutzung
auch durch eine Hydrophobierung
der Betonoberfläche,
sei es werkseitig oder nach einer
erfolgten
Reinigung. Die Nebenwirkung,
daß durch die
Hydrophobierung, also die Trockenlegung
der
obersten Betonschicht, die Carbonatisierung
etwas vorauseilt, ist bei einer
ordnungsgemäßen
Ausführung unerheblich.
Darüber hinaus kann die Betonoberfläche
-
auch die farbige - durch einen
dünnen, transparenten
Metacrylatfilm geschützt werden,
ein Verfahren,
das bei der Instandsetzung zur
„Selbstreinigung"
eingesetzt wird. Der Film ist
unsichtbar,
jedoch werden die Farben geringfügig
intensiver.
Soll die Farbenpracht einer Fassade
dauerhaft
erhalten bleiben, ist eine Reinigung
in regelmässigen
Abständen vorzunehmen, z.B. mittels
Druckwasserstrahlen.
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Beton-Gebäude haben ein langes Leben |
Ordnungsgemäß hergestellter Beton
ist dauerhaft,
was die Frosteinwirkung, den
Korrosionsschutz
und die positive Wirkung der
gestalteten
Betonoberflächen betrifft. Das
A und O der
Dauerhaftigkeit ist die Dicke
und Qualitätder
Betonüberdeckung. Dabei kommt
es insbesondere
auf die obersten Zentimeter des
Bauwerks
bzw. des Bauteils an: Hier muß
der Beton
den richtigen Zementgehalt und
Wasserzementwert
aufweisen, und er muß ausreichend
hydratisieren
können. Der Planer muß gegebenfalls
die Frost-
und Frosttausalzeinwirkungen
vorgeben.
Bei Bearbeitung durch Abtrag,
wie Waschen,
Schleifen oder Flammstrahlen,
müssen diese
Maße bei der Überdeckung zusätzlich
berücksichtigt
werden. Empfehlenswert ist, das
übliche Vorhaltemaß
der Betonüberdeckung bei anspruchsvollen
Oberflächen um 0,5 bis 1,0 cm
zu vergrößern.
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Qualitätssicherung |
Um die baulichen und gestalterischen
Vorstellungen
des Bauherren in der Planung
entsprechend
konkretisieren und in der Bauausführung
umsetzen
zu können, muß die Leistungsbeschreibung
eindeutig, umfassend und auch
realisierbar
sein. Als nützlich haben sich
in der Praxis
gemeinsame Bauwerksbesichtigungen
und Abstimmungsgespräche
im Bauteam, also zwischen Bauherrn,
Architekten
und dem ausführenden Betonwerk
erwiesen.
Dabei werden beispielweise die
Betonfarbe
und -struktur (Weisszement, farbiger
Zuschlag,
Bearbeitungsart) gemeinsam festgelegt.
Anhand
entsprechend gefertigter Musterelemente
lassen
sich in der Folge die Anforderungen
detailliert
schriftlich festlegen. Ebenso
gilt es, Randbedingungen
innerhalb logistischer und wirtschaftlicher
Grenzen möglichst zu vereinheitlichen,
beziehungsweise
Änderungen innerhalb der Randbedingungen
bereits einzuplanen und zu kompensieren.
Sind die Anforderungen eindeutig
und umfassend
beschrieben, muß ihre Umsetzung
vor der Ausführung
ebenfalls genau geplant werden.
Hierzu sollten
je Verantwortungsbereich Qualitätssicherungsmaßnahmen
erstellt und Schnittstellen und
ihre Überbrückung
festgelegt werden.
Nur bedingt erfüllbare oder nicht
steuerbare
Anforderungen sollten in jedem
Fall vor der
Bauausführung angesprochen werden.
Hierin
liegt eine wichtige Funktion
der Bauberatung
der Zementhersteller und des
Bundesverbandes
der Deutschen Zementindustrie.
Sie sollten
gegebenfalls bei unrealisierbaren
Anforderungen
sowie unrealistischen Zusagen
konstruktiv
mitwirken, vor der Bauausführung
das Machbare
zu klären, um in allen Phasen
ein Einvernehmen
zwischen Bauherren, Planer und
Bauausführenden
sicherzustellen.
Dipl.-Ing. Dipl. Wirtsch.-Ing.
Martin Möllmann,
Dr.-Ing. Jörg Nicolay
aus http://www.dyckerhoff-weiss.de/artikel/art_02.htm
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